Uli P Photography Kelkheim 1

Die jungen Wilden

Die Freude am Entwerfen begleitet die meisten Architekten von Kindesbeinen an: Hinzu kommen – gerade bei jungen Talenten – ein weiter, offener Blick sowie ein hohes Maß an Kreativität. Erfahrung und Zuverlässigkeit hingegen werden hierzulande eher älteren Planern zugestanden. Dabei tritt gerade der Nachwuchs immer öfter mit beispielhaften Entwürfen ins Rampenlicht, die veranschaulichen, dass auch sie diesen Ansprüchen gerecht werden! Text: Nina Greve
Titelfoto: uli p photography, Kelkheim

„Der Architekt als Mediator“

uli-p-photography,-KelkheimEin Beispiel hierfür ist das Mainzer Architektenteam mz3 um Dennis Lebkücher (35), Tobias von Pastau (33) und Jens Petri (35). Das Dreiergespann, das sich bereits zu Studienzeiten kannte, beschloss 2009, drei Jahre nach dem Diplom, ein gemeinsames Büro zu gründen. Dafür wurden sie 2010 mit dem Mainzer Wirtschaftspreis in der Kategorie „Beste Gründung“ ausgezeichnet. „Man muss sich als junges Büro Instrumente überlegen, mit denen man neben der Kreativität überzeugen kann“, erläutert Tobias von Pastau den wirtschaftlichen Ansatz des Büros. „Da sich Bauherren immer auch Vertrauen in eine schlüssige Betriebsstruktur und die Zuverlässigkeit eines Büros wünschen, haben wir zum Beispiel eine spezielle Büromanagement-Software eingesetzt.“

uli-p-photography,-Kelkheim-(1)Neben diesen betriebswirtschaftlichen weist das Büro auch hohe architektonische Qualitäten auf. Das verdeutlichen nicht nur verschiedene  Wettbewerbsauszeichnungen, sondern insbesondere die Projekte „wohnhauserweiterung p“ und „wohnhaus s“, die 2010 bzw. 2012 für den Tag der Architektur ausgewählt wurden. Das Team sieht sich dabei als „Mediatoren im Entwurfsprozess. Wir versuchen mögliche modische Entwurfsideen der Bauherren in eine technisch und wirtschaftlich nachhaltige zeitlose Architektur zu kanalisieren“, so Tobias von Pastau. Foto: uli p photography, Kelkheim

„Zeitgemäße Holzbauarchitektur“

Boehmer-LaubenderAuch Clemens Böhmer und Michael Laubender von BÖHMERLAUBENDER Architektur kennen sich bereits aus Studienzeiten. Im letzten Jahr, zwei bzw. drei Jahre nach ihrem Diplom, gründeten die beiden 32 und 33 Jahre alten Architekten schließlich ein gemeinsames Büro im bayerischen Bad Kohlgrub. Ihre besondere Verbundenheit zum Handwerk, insbesondere zum Material Holz, die sich in ihren  gemeinsamen Architekturprojekten widerspiegelt, rührt dabei von einer Schreinerlehre her, die beide vor ihrem Studium absolvierten. Foto: Böhmer Laubender

Michael-SindlhauserDie Vorarlberger Holzarchitektur mit ihrem hohen Anspruch an handwerkliche Qualitäten und dem Umgang mit Materialität und Regionalität dient ihnen als architektonische Inspiration. „Einfach, aber nicht banal, modern, aber nicht losgelöst von Tradition und Ort. So lässt sich vielleicht unsere architektonische Philosophie umschreiben“, so das Architektenteam. „Eine nachvollziehbare Materialauswahl und die materialgerechte Verwendung haben bei uns höchste Priorität.“ Entsprechend werden auch althergebrachte Techniken oder Materialien wie beispielsweise Schindeln in eine  ansprechende zeitgemäße Architektur umgesetzt.
Foto: Michael Sindlhauser

 

 

„Lebendigkeit und Partizipation“

Inka-DrohnWann ist ein Architekturbüro jung? Hängt der Begriff ausschließlich vom Alter des Bürogründers ab oder auch von der Architektur des betreffenden Büros? So gehört Inka Drohn zwar altersmäßig nicht mehr zu den ganz jungen Architektinnen, ihre Architektur und ihre Art, diese umzusetzen, vermitteln jedoch jugendliche Leichtigkeit und Lebendigkeit. Das Büro archid, deren Inhaberin Inka Drohn seit zehn Jahren ist, betreut nicht nur Baugruppen in Gemeinschaftsprojekten, sondern unterstützt darüber hinaus Bauwillige darin, durch Eigenleistung ihr Umfeld mitzugestalten, und leistet gelungene Beiträge für lebenswerte Quartiere in der Stadt.

 

Inka-Drohn-(1)„Als Architektin möchte ich anderen dabei assistieren, selbst in die Stadt einzugreifen“, erklärt Inka Drohn, „um eine lebendige und vitale Architektur in unsere zuweilen sehr grauen und abweisenden Großstädte zu bringen.“ Offen zu bleiben, auch für die Ideen anderer, und immer wieder aufs Neue zu schauen, wie passende architektonische Antworten aussehen können, ist eine innere Haltung, die sich nicht am Geburtsdatum festmachen lässt.
Foto: Inka Drohn

 

 

„Individuelle Grundrissgestaltung“

Fahr+Ramiro-6955_SMit gerade 30 Jahren gehört Patricia Ramiro hingegen tatsächlich zu den sehr jungen Architektinnen. Bereits mit 25 Jahren beendete sie ihr Studium und blickt nunmehr auf fünf Jahre Berufserfahrung zurück. Trotzdem entschied sie sich, sich mit einem älteren Kollegen zusammenzutun, um von dessen Erfahrungen zu profitieren. Anfang 2013 gründete sie daher gemeinsam mit Christian Fahr die Bürogemeinschaft Fahr + Ramiro Architekten BDA in Hannover. „Architektur muss den Menschen entsprechen, die darin leben werden“, erläutert die Architektin das übergeordnete Entwurfscredo des Büros. Foto: Fahr + Ramiro

 

Hans-&-Jung---Studio-fuer-Unternehmensfotografie„Bauherren neigen dazu, jeden Raum für sich zu sehen, aber man sollte nicht einfach Räume aneinanderreihen. Wir als Architekten haben die Aufgabe, immer das Ganze im Blick zu behalten.“ Ihr persönlicher Schwerpunkt liegt in der sinnvollen Nutzung aller Flächen eines Hauses. „Entwerfen ohne tote Ecken hat für mich einfach eine elementare Bedeutung“, so die Architektin. Foto: Hans & Jung – Studio für Unternehmensfotografie

„Kostensicherheit mit Ästhetik“

SAN-Architekten-Partnerschaft-(1)Kostensicherheit ist ein wichtiges Thema für viele Bauherren. Das brachte die Bürogemeinschaft SAN Architekten mit Dennis Nadolski (36), Nina Schiffmann (33) und Meike Alonso Malo (34) auf die Idee, ihre Leistungen auf zwei unterschiedlichen Wegen anzubieten: sowohl in der klassischen Variante als Architekturbüro als auch über ihr Bauträgerprojekt „hausgemacht“. „Wir legen Wert darauf, innerhalb eines vorgegebenen Kostenrahmens gute Architektur zu schaffen, in der über augenscheinlich profane Dinge intensiv nachgedacht wird“, definiert Dennis Nadolski den Planungsschwerpunkt des Büros. Foto: SAN Architekten Partnerschaft

SAN-Architekten-PartnerschaftNadolski selbst beschreibt sich als Pragmatiker, der seine Entwürfe genau auf die finanziellen Möglichkeiten seiner Bauherren abstimmt. Bereits mit 26 schloss er sein Studium ab und begann zu arbeiten. „Im Studium haben wir zu 90 Prozent entworfen. Für meine Begriffe kommt die Baupraxis dabei eindeutig zu kurz“, so der Architekt. Dass trotz Pragmatismus und Kostenrealität die Ästhetik nicht auf der Strecke bleibt, zeigt das Projekt „Wohnhaus Kassen in Wunstorf“, das 2012 auf dem Tag der Architektur in Niedersachsen zu sehen war. Foto: SAN Architekten Partnerschaft

„Die Wichtigkeit starker Bilder“

Loeser-Lott-(2)„Architektur zu denken und körperhaft werden zu lassen, ist ein komplexer Prozess. Die Herausforderung besteht darin, eine starke wie subtile Idee für einen Ort zu formulieren“, betont Katharina Löser aus dem Berliner Büro Löser Lott Architekten. „Atmosphärische Bilder und das ‚Einfühlen‘ in den Kontext spielen in unserer Arbeit eine große Rolle.“ Die 32-Jährige wurde im vergangenen Jahr für ihr gelungenes Projekt „Duett Warnemünde“ mit dem „Hans-Schaefers-Preis“, dem Nachwuchspreis des Bunds Deutscher Architekten in Berlin, ausgezeichnet. Foto: Löser Lott Architekten

 

Loeser-Lott_bitte-links-und-rechts-etwas-beschneiden„Im Studium entwickelt man abstrakte radikale Ideen für fiktive Aufgaben; in der Realität muss man diese mit Bauherrenwünschen, Budget und technischer Machbarkeit in Einklang bringen“, so Löser, die 2008 ihr Diplom an der UdK Berlin machte. Das Architektenduo bekam früh die Chance, sein Können unter Beweis zu stellen. „Ich hatte direkt nach meinem Studium die Möglichkeit, ein Haus zu bauen. Dadurch habe ich kaum Erfahrung in anderen Büros gesammelt, jedoch viel auf der Baustelle und mit Handwerkern lernen können.“ Neben dem Projekt in Warnemünde kann das junge Büro mit einer Reihe überzeugender Neu- und Umbauten aufwarten. Foto: Stefan Müller (Berlin)

„Licht und Luft“

VeluxFür den Umbau eines Einfamilienhauses in Stuttgart gewann das Büro Frey Architekten 2013 den Velux-Architektenwettbewerb. Das Motto des Wettbewerbs „Licht + Luft = Lebensqualität“ beschreibt die Atmosphäre des Entwurfs, für den Philippe Frey darüber hinaus den „Velux-Newcomer-Award“ erhielt. Ein gelungener Start für den jungen Architekten, der dabei ist, sein eigenes Büro zu gründen. Die hierbei gesammelten Erfahrungen beurteilt er als ausgesprochen positiv: „Ich habe den Eindruck, dass die Bauherren einem jungen, top motivierten Büro zutrauen, dass jeder Schritt sehr genau geplant ist und noch einmal besonders genau hingeschaut wird.“ Foto: Velux

 

 

Philippe-Frey-(1)Ein Vorbild unter den Architekten gibt es für Frey in persona nicht. Vielmehr lässt er sich von gebauten Vorbildern inspirieren, auch über die Grenzen hinweg. So verbrachte er etwa während seines Studiums ein halbes Jahr in Südamerika. „Es macht Spaß, immer wieder zu schauen, was sich aus anderen Kulturen auch auf die deutsche Bau- und Wohnkultur übertragen lässt!“ Foto: Philippe Frey

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