Foto: massivum; Upcycling

Upcycling deluxe – Trend statt Trash

Upcycling ist DER Designtrend der letzten Jahre. Die Wortschöpfung leitet sich aus dem Begriff Recycling ab, was die Weiterverwertung vermeintlich nutzloser Stoffe oder Abfallprodukte beschreibt. Beim Upcycling steht die stoffliche Aufwertung des Ursprungsmaterials im Fokus.
(Foto oben: massivum)

Wer kennt diesen Klassiker nicht noch aus eigenen Studenten-WG-Zeiten: Aus einer Weinflasche, die sonst im Altglascontainer landete, wird ein Kerzenständer – ein vollkommen neues Produkt. Ein weiteres frühes und sehr erfolgreiches Beispiel für Upcycling, das in unterschiedlichen Modellen auf der ganzen Welt getragen wird, sind die Umhängetaschen aus Lkw-Planen, die 1993 von den Schweizern Markus und Daniel Freitag entworfen wurden. Streng genommen werden keine neuen Rohstoffe verarbeitet, sondern ausschließlich bereits vorhandene Materialien in einer neuen Funktion wiederverwertet. Upcycling-Produkte findet man vor allem in der Mode oder im Wohndesign.

Überraschend neu

Foto: Magdalena Franke; Upcycling; Lampenschirme aus 35-mm-Filmstreifen

Sebastian Franke: Lampenschirme aus 35-mm-Filmstreifen. (Foto: Magdalena Franke)

Foto: Magdalena Franke; Upcycling; Lampenschirme aus 35-mm-Filmstreifen

Die Lampen finden Sie unter www.frankewerk.de. (Foto: Magdalena Franke)

Sebastian Franke hat vor eineinhalb Jahren seine Upcycling-Idee in die Tat umgesetzt. Der Diplom-Soziologe tastete sich als Design-Quereinsteiger langsam an sein finales Upcycling-Produkt heran, experimentierte und optimierte, bis seine Lampenmodelle mit klangvollen Namen wie „Potemkin“ oder „Marple“ reif für den Markt waren. „Was mich persönlich am meisten fasziniert, ist der Gedanke, etwas Bestehendes seinem bisherigen Umfeld zu entreißen und in neue Kontexte einzuführen. Ähnlich wie bei einem Witz führt man Dinge zusammen, die in der Wahrnehmung bisher nichts miteinander zu tun hatten oder vermeintlich nicht zusammengehören. Das ist der Kern des Upcyclings. Genau diesen Überraschungseffekt und das Unerwartete daran finde ich spannend.“ Wahrscheinlich ist es bezeichnend, dass Sebastian Franke als Student die Idee zu seinen Lampenschirmen aus 35-mm-Filmstreifen hatte, die er mittlerweile in seinem Onlineshop www.frankewerk.de und auf Märkten vertreibt. Die Kunst des Improvisierens, das Interesse am Tüfteln und die Begeisterung für neue Ideen, was den Trend Upcycling ausmacht, versprühen stets eine jugendliche und innovative Kraft.

Damals war es der Nebenjob des heute 30-Jährigen, der ihn inspirierte, heute ist er mit seinem Hobby auf dem Sprung zum Start-up-Unternehmer. „Ich habe während meines Studiums in einem Programmkino gearbeitet und dort gelernt, 35-mm-Filme vorzuführen. Ich hatte die Rollen häufig in den Händen und hielt die Bilder gegen das Licht. Meine Faszination für das Material, die Projektionen, die daraus entstehen, und nicht zuletzt für die einzigartigen Lichteffekte stammt aus dieser Zeit“, erinnert sich Sebastian Franke. „Das ist auch gleichzeitig das Besondere an meinen Lampenschirmen. Sie werfen je nach Film und Form ein eindrucksvolles Farb- und Lichtspektrum an die Wand.“ Das Modell „Potemkin“, für das Franke ca. 930 Bilder oder 21 Sekunden Film verarbeitet, ähnelt in seiner Form einem Kronleuchter und entfaltet an hohen Altbaudecken mit Stuck mondänen Charme.

Vielfältig eingerichtet

Foto: Nadja Schmid, Linda Suter; Upcycling; Top-Cat von Freitag; LKW-Plane; Tasche

Die „Top Cat“ von Freitag.
(Foto: Nadja Schmid, Linda Suter)

Foto: Lockengelöt; Altes Ölfass wird Plattenschrank. Upcycling

Altes Ölfass wird Plattenschrank.
(Foto: Lockengelöt)

Foto: Rafael Cichy; Die beleuchtete Aufhängung „Hang Out“ ist aus einer Europalette gefertigt. Designt wurde dieses Objekt von Rafael Cichy, www.kompatibeldesign.de; Upcycling

Rad-Aufhängung „Hang Out“. (Foto: Rafael Cichy)

 

 

Natürlich findet man die Einrichtungsklassiker des Upcyclings wie Tische aus Paletten oder Kommoden aus Holzresten in Abwandlungen und Variationen mittlerweile fast an jeder Straßenecke. In vielen Städten haben in den letzten Jahren Manufakturen eröffnet, die ihre Produkte maßgefertigt oder sofort lieferbar in ihrem Onlineshop anbieten. Diese Allrounder unter den Upcycling-Objekten haben nach wie vor ihren Reiz und unterstreichen beispielsweise hervorragend den Industrial Look oder lockern minimalistisch gestaltete Räume mit ihrem rustikalen und ursprünglichen Charakter auf. Neben diesen wirklich praktisch einsetzbaren Möbelstücken mit dem gewissen Etwas finden sich aber auch Objekte, bei denen der künstlerische Aspekt deutlich in den Vordergrund tritt. Trompeten und Posaunen, die zu schwebenden Leuchtobjekten werden, filigrane Hocker aus altem stabilem Draht oder Sessel aus bunten Metalltonnen entfalten ihre Wirkung als Skulpturen im Raum. Sie funktionieren ebenso gut als Kunstwerk und verweisen mit ihrer optischen Wirkung auf eine Grundidee des Upcyclings, die Erweiterung des Produktkreislaufs.

Fantasie und Innovation

Foto: Bosch; Upcycling;

DIY-Upcycling: Snowboardregal selbst bauen.
(Foto: Bosch)

Wer nichts Passendes für seinen Stil findet, kann einfach selbst kreativ werden und eigene Ideen umsetzen – ein weiterer Aspekt, der diesen Trend so attraktiv macht. Gerade hochwertige Materialien wie Leder oder Holz eignen sich fürs Upcycling besonders gut. Was spricht dagegen, eine in die Jahre gekommene Ledertasche einfach in einem neuen Kontext wiederzuverwenden? Bei geeigneter Größe dient das einstige Lieblingsstück als Zeitungshalter oder macht in kleinen Teilen, reich verziert als Ohrring oder Brosche wieder Freude. Oder Sie wagen sich an ein selbstgemachtes Snowboardregal – ein echter Hingucker. Hier finden Sie die Anleitung zum Selberbauen.

 

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